Parodontitis
Kurz erklärt
Parodontitis ist eine chronische bakterielle Entzündung des Zahnhalteapparats (Parodontium). Sie baut schrittweise Zahnfleisch, Wurzelhaut und Kieferknochen ab und ist die häufigste Ursache für Zahnverlust im Erwachsenenalter. Seit 2018 wird sie nach Stadien (I–IV) und Graden (A–C) klassifiziert. Eine frühzeitige Behandlung stoppt den Knochenabbau.
Was ist Parodontitis?
Das Wichtigste auf einen Blick
- Parodontitis ist eine entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparats, nicht nur des Zahnfleischs
- Zum Zahnhalteapparat gehören Zahnfleisch, Wurzelhaut, Wurzelzement und Kieferknochen
- Unbehandelt führt sie über Zahnfleischtaschen und Knochenabbau zum Zahnverlust
- Rund die Hälfte der Erwachsenen ist von einer Form der Parodontitis betroffen
Parodontitis bezeichnet die Entzündung des Parodontiums – des gesamten Zahnhalteapparats. Dieser umfasst das Zahnfleisch (Gingiva), die Wurzelhaut (Desmodont), den Wurzelzement und den umgebenden Kieferknochen. Auslöser sind Bakterien im Zahnbelag, die eine fortschreitende Entzündungsreaktion in Gang setzen.
Am Anfang steht häufig eine Gingivitis – eine oberflächliche Zahnfleischentzündung, die noch vollständig ausheilen kann. Bleibt sie unbehandelt, dringt die Entzündung in die Tiefe vor, es bilden sich Zahnfleischtaschen, und der Kieferknochen beginnt sich zurückzubilden. Dieser Knochenabbau ist – anders als die Gingivitis – nicht mehr umkehrbar.
Laut der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft (SSO) ist rund die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung von einer Parodontitis betroffen, schwere Verläufe etwa 10–15 %. Damit zählt Parodontitis zu den häufigsten chronischen Erkrankungen überhaupt.
Stadien und Grade: die Klassifikation von 2018
Das Wichtigste auf einen Blick
- Stadium (I–IV) beschreibt den Schweregrad und das Ausmass des Gewebeverlusts
- Grad (A–C) beschreibt das Risiko für ein rasches Fortschreiten
- Zusätzlich wird die Ausdehnung (lokalisiert / generalisiert) erfasst
- Die Einteilung bestimmt den Behandlungsaufwand und die Prognose
Seit 2018 lösen Stadien und Grade die früheren Begriffe „chronische“ und „aggressive“ Parodontitis ab. Das Stadium beschreibt, wie weit die Erkrankung bereits fortgeschritten ist, der Grad schätzt das Risiko für ein weiteres rasches Voranschreiten ein.
| Stadium | Schweregrad | Typische Merkmale |
|---|---|---|
| Stadium I | Beginnend | Geringer Knochenabbau, Taschentiefen bis ca. 4 mm, kein Zahnverlust |
| Stadium II | Moderat | Knochenabbau im koronalen Wurzeldrittel, Taschentiefen bis ca. 5 mm |
| Stadium III | Schwer | Ausgedehnter Knochenabbau, mögliche Zahnverluste, tiefe Taschen |
| Stadium IV | Sehr schwer | Fortgeschrittener Verlust mit Kaufunktionsstörung, oft prothetischer Behandlungsbedarf |
Grad A bis C: wie schnell schreitet die Erkrankung voran?
Der Grad berücksichtigt den bisherigen Verlauf und Risikofaktoren wie Rauchen und Diabetes:
- Grad A – langsames Fortschreiten, geringes Risiko
- Grad B – moderates Fortschreiten
- Grad C – rasches Fortschreiten, hohes Risiko (z. B. bei starken Rauchern oder schlecht eingestelltem Diabetes)
Ursachen und Risikofaktoren
Das Wichtigste auf einen Blick
- Auslöser ist bakterieller Zahnbelag (Plaque)
- Verkalkt Plaque, entsteht Zahnstein, der nur professionell entfernbar ist
- Rauchen und Diabetes sind die wichtigsten verstärkenden Risikofaktoren
- Kausalkette: Plaque → Gingivitis → Parodontitis → Knochen- und Zahnverlust
Primäre Ursache ist bakterieller Zahnbelag. Wird Plaque nicht regelmässig entfernt, verkalkt sie innerhalb weniger Tage zu Zahnstein, an dessen rauer Oberfläche sich weitere Bakterien anlagern. Deren Giftstoffe halten die Entzündung dauerhaft aufrecht.
Ob und wie schnell sich daraus eine Parodontitis entwickelt, hängt stark von individuellen Risikofaktoren ab:
- Rauchen: stärkster vermeidbarer Risikofaktor; verschlechtert Durchblutung und Heilung und verschleiert Warnsignale.
- Diabetes mellitus: erhöhte Blutzuckerwerte schwächen die Abwehr; Parodontitis und Diabetes verstärken sich gegenseitig.
- Genetische Veranlagung: familiäre Häufung ist belegt.
- Stress und ein geschwächtes Immunsystem.
- Hormonelle Veränderungen, etwa in der Schwangerschaft.
Symptome und Selbstcheck
Das Wichtigste auf einen Blick
- Zahnfleischbluten beim Putzen oder spontan
- Gerötetes, geschwollenes oder zurückgezogenes Zahnfleisch
- Mundgeruch trotz guter Mundhygiene
- Lockere oder gewanderte Zähne im fortgeschrittenen Stadium
Parodontitis verläuft lange schmerzlos – das macht sie so tückisch. Zahnfleischbluten ist das häufigste Frühwarnzeichen und sollte nie als harmlos abgetan werden.
Selbstcheck: mögliche Anzeichen erkennen
Haken Sie alle Punkte an, die auf Sie zutreffen. Dieser Check ersetzt keine zahnärztliche Diagnose.
Dieser Selbstcheck dient der ersten Orientierung und ersetzt keine zahnärztliche Diagnose.
Diagnose beim Zahnarzt
Die Diagnose stützt sich auf den PSI (Parodontaler Screening-Index), bei dem die Taschentiefen mit einer Sonde gemessen werden, sowie auf Röntgenaufnahmen zur Beurteilung des Knochenniveaus.
- Anamnese: Allgemeinerkrankungen, Medikamente und Risikofaktoren erfassen.
- Befund: Zahnfleischfarbe, Schwellungen und Rückgang beurteilen.
- PSI-Messung: Taschentiefen an allen Zähnen mit der Parodontalsonde.
- Röntgen: Beurteilung des Knochenabbaus, Festlegung von Stadium und Grad.
Behandlung und Kosten
Das Wichtigste auf einen Blick
- Drei Phasen: Initialtherapie, weiterführende Therapie, Erhaltungstherapie
- Kernmassnahme ist das Scaling und Root Planing (Reinigung der Zahnfleischtaschen)
- Schwere Fälle erfordern chirurgische Therapie oder ergänzend Antibiotika
- Kosten nicht chirurgisch: erfahrungsgemäss CHF 600 bis CHF 2'500
Die Behandlung verläuft in drei Phasen. Eine erfolgreiche Therapie stoppt den Knochenabbau – bereits verlorener Knochen lässt sich jedoch nur in Ausnahmefällen chirurgisch teilweise regenerieren.
- Initialtherapie: professionelle Reinigung, Scaling und Root Planing, Mundhygiene-Instruktion, ggf. Antibiotika.
- Weiterführende Therapie: bei verbleibenden tiefen Taschen chirurgische Eingriffe oder regenerative Massnahmen.
- Erhaltungstherapie (UPT): lebenslange Nachsorge mit Kontrollen alle 3–6 Monate, um ein Wiederaufflammen zu verhindern.
Folgen für die Allgemeingesundheit
Parodontitis ist nicht auf den Mund beschränkt. Bakterien und Entzündungsbotenstoffe aus den Zahnfleischtaschen können in die Blutbahn gelangen. Gemäss aktuellen Studiendaten steht eine schwere Parodontitis in Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, mit schlechter einstellbarem Diabetes und mit Schwangerschaftskomplikationen. Die konsequente Behandlung der Parodontitis wirkt sich daher auch auf die Allgemeingesundheit positiv aus.
Vorbeugung
Die wirksamste Vorbeugung ist die konsequente Entfernung von Plaque: zweimal tägliches Zähneputzen, tägliche Reinigung der Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Interdentalbürsten sowie regelmässige Dentalhygiene. Rauchverzicht und eine gute Diabetes-Einstellung verbessern die Prognose messbar.
Häufige Fragen zu Parodontitis
Was ist der Unterschied zwischen Parodontitis und Parodontose?
Parodontitis ist der fachlich korrekte Begriff für die entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparats. Parodontose ist der umgangssprachliche, heute veraltete Ausdruck dafür. In der Praxis meinen beide dasselbe Krankheitsbild.
Was bedeuten Stadium und Grad?
Seit 2018 wird Parodontitis in vier Stadien (I–IV, nach Ausmass des Gewebeverlusts) und drei Grade (A–C, nach Fortschreiten und Risiko) eingeteilt. Das Stadium beschreibt den Ist-Zustand, der Grad die Dynamik.
Kann Parodontitis geheilt werden?
Sie lässt sich kontrollieren, aber nicht vollständig heilen. Abgebauter Knochen wächst nicht von selbst nach. Mit früher Behandlung und konsequenter Erhaltungstherapie bleibt die Erkrankung langfristig stabil.
Ist die Behandlung schmerzhaft?
Die Behandlung erfolgt in der Regel unter lokaler Betäubung und ist mit modernen Mitteln gut verträglich. Nach der Sitzung können Zähne und Zahnfleisch einige Tage empfindlich sein.
Erhöht Parodontitis das Risiko für andere Krankheiten?
Ja. Eine schwere Parodontitis steht in Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes-Komplikationen und Frühgeburten, da Bakterien in die Blutbahn gelangen können.